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Fe
2006: Togo / München
03.02.2006 17:05

Hallihallo,
es ist geschafft, Ziel erreicht, alle ueberlebt, wir wieder zu Hause, Toyi in Afrika geblieben. So oder so aehnlich koennte jetzt die Kurzversion unserer Reise lauten, aber da war schon noch mehr Erzaehlenswertes dazwischen.

Ihr erinnert Euch sicherlich an Teil 1 der West-Afrika-im-Zick-Zack-Tour und an die Schlange (siehe ein Artikel vorher). Kleiner Nachtrag dazu: Bis heute wird darueber geraetselt ob und wie giftig sie war. Also zur Beruhigung: die Mehrheit im Camp in Gambia hatte darueber abgestimmt dass sie nicht giftig sei, wir uebrigens auch. Und dann war da noch Wolfgang, auf dessen Grundstueck der Toyi damals geparkt war. Und der behauptete, dass die Schlange beim letzten Autoabstellen Anfang April schon im Auto gewesen sein musste, weil es auf seinem Grundstueck ja wohl nun wirklich keine Schlangen nicht gibt!
Die lebend gerettete und freigelassene Schlange ist jedenfalls bis heute nicht wieder irgendwo aufgetaucht aber auf Wolfgangs Grundstueck stehen noch ein paar andere Fahrzeuge geparkt.......
Ach ja und die Haut haben wir natuerlich mit nach Hause genommen.

So nun aber die neuen G'schicht'n. Wir waren also in Bamako (Mali) und haben dort einen aufregenden Tag in der Stadt verbracht, so mit Sammeltaxi zusammen mit 22 anderen Fahrgaesten, hektischen Markteinkaeufen und einem tollen Abendessen mit dem besten Ingwersaft der Welt. Ubernachtet haben wir etwas ausserhalb der Riesen-Stadt direkt am Fluss Niger auf unserem Toyi-Dach, sicher unterm Moskitonetz.

Unser selbstgestecktes Ziel lautete nun dem Nigerverlauf nach Nord-Osten zu folgen bis Timbuktu oder gar bis zu seinem noerdlichsten Punkt, ehe der Fluss fast schon mitten in der Sahara jaeh nach Sueden abbiegt um sich in
Nigeria in den Atlantik zu stuerzen. Frohen Mutes fuhren wir los. Segou war schnell erreicht und dann gings auf Eselspfaden weiter am Fluss entlang. Je weiter wir ins Nigerbinnendelta vorstossen umso verwirrender wird die
Wegfuehrung und immer wieder muessen wir nach dem Weg fragen und oftmals umkehren. Zu unuebersichtlich ist das Gewirr an Pfaden durch das Ueberschwemmungsgebiet. Einige Wasserduchfahrten hatten wir bereits
erfolgreich gemeistert als wir gegen Mittag in einem Wasserloch stecken blieben und der Toyi zusehends im Schlamm versank. Klasse, das stehste da und schaust ganz schoen bloed aus der Schmutzwaesche. Da bleibt kein Haar mehr trocken, also rein in den Schlamm und schufte. Schnell haben wir gemerkt, dass es nicht einfach wird die Kiste wieder flott zu bekommen, denn nach einigen Anfahrversuchen waren schon die Achsen im Schlamm
versunken und das alles im knietiefen Wasser versteht sich. Das heisst in undurchsichtiger Bruehe schaufeln und mit den Haenden graben und nach verlorengegangenen Sand- in diesem Fall Schlammblechen tauchen usw. Zum
Glueck kamen immer mehr freiwillige Helfer herbei und alle wirkten tatkraeftig mit. Fahrende Autos in dieser Gegend Fehlanzeige, also Rausziehen war auch nicht moeglich. Und so rueckte die Sonne bedrochlich nahe gen Horizont und wir sahen uns schon in der Bruehe uebernachten. Tolle Vorstellung. Die abenteuerlichsten Konstruktionen aus dicken Aesten und unseren Blechen und den beiden Wagenhebern und dank der Hilfe von
insbesonders 3 wirklich hartnaeckigen Helfern haben wir es irgendwie geschafft den Toyi noch vor Sonnenuntergang ins Trockene zu bringen. Meine Guete waren wir erleichtert aber gschafft waren wir auch, was mir (Gerd) dann eine saubere Erkaeltung beschert hat. Die Helfer kamen und gingen, aber jene Drei, die bis zum Ende verblieben, bekamen jeder einen richtig fetten Geldschein in die Hand.

Ok, ab da waren wir vorsichtiger und haben wieder jedes Wasserloch vorher zu Fuss erkundet oder Einheimische nach der richtigen Passage befragt. Und so erreichten wir schliesslich Djenne, den Ort mit der beruehmten und
angeblich groessten Lehmmoschee der Welt. Gross ist die schon, aber wunderschoen sind in Mali alle Lehmmoscheen, sogar im kleinsten Dorf. 

Von Djenne wollten wir durch die innere Nigerschleife ueber Niafounke nach Timbuktu, aber jeder riet uns davon ab, der Wasserstand sei einfach zu hoch. Mittlerweile erfuerchtig vor Schlamm und Wasser zurueckschreckend,
waren wir gar nicht so enttaeuscht ueber diese Mitteilung. Schliesslich gaebs jetzt ne neue regenfeste Piste nach Timbuktu und die solle man nehmen. Angedacht-getan und zick stehen wir suedlich von Timbuktu am
Nigerufer und schon setzen wir mit der Faehre ueber.

Timbuktu! Also alles was man hoert stimmt oder stimmt nicht. Man hoert der Ort sei reich an Gold und voller Pracht: stimmt nicht! Man hoert der Ort sei bedeutungslos, schmutzig, staubig, haesslich und uninteressant: stimmt fast! Wir finden es einfach eine Stadt in der Wueste ohne jegliche Besonderheit, ausser eben ihren klangvollen Namen, aber es gibt dort jede Menge alten Zauber und der begegnet einem staendig in Form der stolzen Tuareg auf ihren Kamelen, bewaffnet mit ihren langen Schwerten. Es roch nach Wueste und nach Abenteuer und das hat uns gefallen. Hier waren wir unserer geliebten Sahara so nahe wie schon lange nicht mehr und so haben wir ein paar Tage in und um der Stadt verbracht, haben auf Sandduenen uebernachtet und die Stille und die Karheit der Wueste genossen. Denn, von nun an sollte es nur noch nach Sueden gehen.

Das Musikfestival: Ja wir waren genau zum richtigen Zeitpunkt in Timbuktu, aber mit der falschen Erwartung. Dachten wir hier ein traditionelles Tuaregfest vorzufinden, fanden wir uns enttaeuscht vor einer zum Kommerz
verkommenen Abzocke wieder. 70km nordwestlich von Timbuktu, mitten in den Duenen gelegen, wurden wir an einer Zahlstelle angehalten und man verlangte sage und schreibe 300 EUR Eintritt plus 100 EUR Uebernachtungsgebuehr von uns! Nein Danke, nicht mit uns. Die vielen eingeflogenen Europaer und andere aus aller Welt zahlten dies scheinbar gerne aber wir waren darauf nicht eingestellt.

Zurueck nach Timbuktu und noerdlich des Niger nach Osten, weil wir so lange wie moeglich in der Wueste bleiben wollten. Bei Gourma-Rharous sind wir dann ZacK nach Sueden uebergesetzt, nachdem 2 Pirogiers die Faehre am
anderen Ufer geholt hatten. Der Fluss ist dort so breit, dass die Faehre nachher 50 min gefahren ist, mit uns als einziges Autos drauf. Da haben uns die Pirogen-Ruderer nachher richtig leid getan, dass sie an diesem noch
dazu auesserst stuermischen Tag nur 7,50 EUR von uns bekamen, aber so wars halt vorher ausgemacht, wir hatten ja keine Ahnung wie weit das andere Ufer weg ist.

Suedlich des Niger dann herrliches Elefanten-Land. Jaja in Mali gibts die noerdlichsten Elefanten Afrikas und angelich 800 Stueck davon. Wir duesten die naechsten 2 Tage durch tolle Landschaft, ueber Stock und Stein, aber
kein einiger Fant kam uns zu Gesicht. Wir waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, wie wir spaeter erfuhren.

Dann die Hombori-Berge, 900 Meter hochaufragende Fels-Nadeln und Kloetze. Ein Naturschauspiel sondergleichen. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, traffen Europaeische Kletterer die in 12 Stunden einen der Felsen
hochgeklettert sind und erst bei Dunkelheit zurueck kamen. Nur fuer Vollprofis, sagten sie, also nix fuer uns.

Von dort gings direkt auf Eselspfaden hinunter nach Burkina Faso. Alle Ausreise-Papiere haben wir diesmal rechtzeitig in Hombori und Boni erledigt und so waren wir frei und uebernachteten im Niemandsland in einem
Affenbrot-Wald. Im Nachhinein der schoenste Uebernachtungplatz der Reise und auch das letzte echte Buschcamping. Die zunehmende Bevoelkerungsdichte machte dies immer schwieriger. Wir waren knapp 2 Wochen in Mali und haben es genossen, fuehlten uns wohl und hatten nur positive Erfahrungen gesammelt. Burkina wollten wir aus Zeitgruenden zuegig durchfahren. So erreichten wir am 18.1. die Haupstadt Quagadougou und uebernachteten im Garten eines Hotels, natuerlich auf unserem Toyi-Dach und klarem Sternenhimmel, denn in so ein Hotelzimmer bringt uns so schnell keiner nei! Aber wir bekamen ne Dusche und am naechsten Morgen ein tolles Fruehstueck, immerhin war das der 19.1. und manch einem mag das was sagen.

Noch am gleich Tag verliessen wir Burkina nach Sueden und reisten mehr oder weniger ohne Probleme nach Ghana ein. Mit unserem Carnet de Passage scheinen sich alle Probleme in Luft aufzuloesen, diese hochamtliche
Zolldokument vom ADAC in Muenchen oeffnet alle Schranken, wir lieben es und finden die Investestition hat sich gelohnt.

Also Ghana. Wir schaffen die Grenze grad noch so am Abend und finden keinen Uebernachtungplatz weil alles dicht besiedelt ist und in so ein Hotelzimmer da bringt uns so schnell nix nei. Bloss nicht bei Dunkelheit fahren und alle Lichter am Toyi gehen eh schon lange nicht mehr, weil wir a) in Guinea gegen ein Baum gefahren sind und b) in Mali aus Jux und Tollerei um einen Confluence zu machen im Steinverhau das hintere rechte Eck' vom Toyi aufgesetzt haben, mit diversen Folgeschaeden wie Lichter hie und Erstatzrad laesst sich nicht aufklappen und damit auch nicht die Hecktuer usw.....

Da ueberholt uns ein Landcruiser mit deutschem Kennzeichen und ruft und 'Willkommen in Ghana' zu. Unsere Rettung. Der Kerl steigt aus und stellt sich als Missionar vor der hier arbeitet. Oh wie toll, noch nie waren uns
Missionare sympatischer als in diesem Moment, als er uns mit zu sich nach Hause nahm. Dort begruessten uns seine Frau und seine 2 Jaehrige Tochter und wir bekamen lecker Essen und vor allem sicheres Schlafen. Natuerlich auf dem Toyi-Dach in deren Garten, weil in so ein Zim.....
Weils so schoen und echt auch total interessant war, was die da so machen und wie sie leben, blieben wir gleich 2 Naechte.

Unser Missionar kennt sich in der Gegend aus uns so machen wir ein paar Ausfluege, u.a. zu einem angeblichen Krokodilsteich im Dorf Paga. Dort angekommen tummeln sich am Ufer des Teichs Ziegen, Rinder, Huehner und im
Wasser baden Kinder, waehrend Frauen Waesche waschen. Jaja, das kennen wir schon aus unserem West-Afrika-Reisefuehrer: Dorf mit Krokodilsteich, so hiess es schon einige Male und als wir hin kamen sah es dort genauso aus wie hier, da ist doch niemals ein Kroko drin!
Ein paar Dorfjungs empfangen uns und versprechen uns Krokos zu zeigen sobald wir bereit sind fuer diese ein paar Huehner zu kaufen bzw zu opfern. Na das wollen wir sehen, 4 Huehner fuer uns bitte! Als wir dann mit den
zappligen Huehnern am Ufer angekommen waren, trauten wir unsren Augen kaum, denn im Nu kamen um die 30 Krokodile aus dem Wasser gestiegen. Wouuuwh, selbst die Waescherinen und die Kinder sind zurueck gewichen. Naja und wir haben dann die Huehner verfuettert, das war schon recht makaber. Zur Kroenung habe ich mich dann noch auf den Ruecken des groessten und altesten Tieres (80 Jahre) fuer ein Showfoto gesetzt und das unter lautstarkem Protest von Verena, die bis dahin so stolz darauf war einen Mann mit 2 Armen und 2 Beinen gehabt zu haben. Aberaber, iss alles noch dran und hat sich echt nach Abenteuer angefuehlt das Biest.
Nun raetelten wir natuerlich wie das geht, dass das Ufer voller Mensch und Tier ist und da angeblich nix passiert, ich meine die Viecher muessen doch irgendwie satt werden. Neinnein, also den Dorfbewohnern und so tun die gar
nix weil jeder verstorbene Dorfbewohner kommt im Teich als heiliges Kroko zur Welt und tut ja ganz sicher seinen Vorfahren nix zu leide. Achso, ja, das verstehen wir natuerlich, und wenn dann doch mal einer fehlt dann hat der sich sicherlich im Wald verlaufen oder die boesen Loewen....

Naechstes Ziel: jetzt muessen endlich Elefanten her! Kein besserer Ort als das Mole Reservat in Ghana, sagt unser Buch. Und es hatte Recht. Wir kommen an einem Samstag am einzigen Motel im Park an und uns wird klar gemacht, dass wir nicht campen duerfen wegen unserer Sicherheit und den aggressiven Affen. Aber Hotelzimmer gibts auch keine weil am Wochenende viele Besucher kommen. Also duerfen wir zu unserer Sicherheit in unserem Auto uebernachten, auch recht. Am naechsten Morgen um 7 gehen wir zu Fuss mit einem Ranger los, hinab zu den Wasserloechern und sehen aus aller naechster Naehe, also 20 Meter vor uns, den Elefanten beim Baden zu. Gigantisch. Wer hat da schon noch Augen fuer Antilopen, Springboecken, Affen, Schlangen und Krokos? Elefanten, alles voll davon und riesengross und echt, unglaublich. Am Abend noch mal eine Wanderung bei moerderischen 40 Grad Celsius und wieder ganz nah bei den Elefanten. Auf dem Rueckweg wird Verena schwaecher und schwaecher und kippt im Auto um. Fieber! Bei 35,8 Grad im Auto friert sie wie ein Schneider und fiebert die ganze Nacht vor sich hin, waehrend ich besorgt bin es koennte Malaria sein. Am naechsten Morgen weiterhin Fieber, also frage ich an, ob wir nun doch ein Zimmer bekommen koennen weil Wochenende ist ja nun vorbei. Verena verbringt den Tag fiebrig schlafend im Bett waehrend ich jeden Menschen nach den Symptomen von Malaria befrage. Alle paar Stunden bekommt sie trockene Handtuecher und Paracetamol und viel zu trinken. Nein, sie hat keinen Schuettelfrost und so glaube ich fest daran, dass es ein Hitzeschlag ist. Verena ist so erschoepft, dass sie nicht mal merkt als ein Elefant direkt vor ihrem Zimmerfenster steht und einen Baum auffrisst. Ich sage: Verena du hast hohen Besuch, aber sie kann ihn nicht sehen, schade. Am naechsten Tag geht das Fieber zurueck und sie bekommt Appetit, wir sind so froh und planen die Weiterreise hinab nach Sueden.

Schrecklich witzig war dann noch als ein Elefant den Pool des Motels austrank und weniger witzig war dass die Affen tatsaechlich alles zusammen klauten was essbar war.

Tja und dann gings ganz schnell. Ehe wir uns versahen standen wir im tropischen Wald und die Luftfeuchte war so hoch dass man nicht mehr durch die Luft hindurchschauen konnte. Gigantische saftige tropische Landschaft
und mittendrin ein idyllischer Kratersee, aber das gegenueberliegende Ufer haben wir nie sehen koennen. Wir verbringen eine tolle Nacht am Seeufer und lauschen den Geraeuschen der Tropen, wir werden nie wieder trocknen!

So kaempfen wir uns durch den Wald weiter nach Sueden und erreichen am 26. Januar die Suedkueste Ghanas, den Atlantik! Wir sind gluecklich und stolz es geschafft zu haben, 2300 km seit Timbuktu, 6000 km seit wir den Atlantik an der Westkueste Gambias verlassen haben, alle moeglichen Landschaften und Vegetationsarten haben wir durchreist und nun stehen wir hier am Sandstrand unter windschiefen Palmen, wie im Bilderbuch. 2 Tage und 2 Naechte verbringen wir mit Toyi direkt am Strand und geniessen das wilde Meer und die Sonne und die Rasta-Atmosphaere und ueberhaupt alles.

Aber das Ende der Reise naht und wir sind noch nicht ganz am Ziel. Eine Tagesetappe spaeter sind wir in Togo und oestlich der Hauptstadt finden wir das kleine Camp der Schweizerin Alice. Hier soll und darf der Toyi
verbleiben. Wir verbringen noch ein paar echt schoene Tage im aeusserst freundlichen Togo, hier spricht man ueberigens Deutsch! Wir besorgen uns Fluege, verabschieden uns herzlichst von Alice und von unserem treuen
Giraffen-Toyi, der nun in Alice's Garten unter einer Kokos-Palme steht, und besteigen am Dienstag 31.Jan kurz vor Mitternacht in Lome die Maschine der Libyschen Afriqiyah Airways, sind um 5 Uhr morgens am Mittwoch in Tripolis (Libyen) und um 11 Uhr in Paris. Mit dem Orient-Express verlassen wir am Abend Paris und erreichen schliesslich am Donnerstag 2.Feb um 4 Uhr frueh unser geliebtes Muenchen. Eine tolle Abenteuer-Reise geht zu Ende, aber Fortsetzung folgt, versprochen!

Herzliche Gruesse und sorry dass es mal wieder etwas laenger wurde...

Eure Spurensucher Verena und Gerd  

2006: Bamako - Mali

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