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Ok
2007: Windhoek - Namibia
15.10.2007 17:18

Liebe Freunde des abenteuerlichen Reisens,

die beste Nachricht gleich zu Beginn: wir haben es geschafft, haben unser Ziel Windhoek in Namibia erreicht! Uns geht es gut und hinter uns liegt eine lange abenteuerliche Reise mit vielen Eindruecken. Vielleicht habe ich beim letzten Bericht etwas zu sehr den Abenteuercharakter betont und deshalb moechte ich nochmal ausdruecklich erwaehnen, dass wir froh sind, diese Reise gemacht zu haben, dass wir viele schoene Erlebnisse hatten, auch unzaehlige furchtbar nette Leute getroffen haben und uns die phantastischen Landschaften fasziniert haben, allem voran der tropische Urwald mit all seinen Nebeneffekten. So war es gerade dort die Beengtheit die zunaechst magisch wirkt, aber nach ein paar Tagen geklemmend sein kann. Erst kuerzlich als wir in der weiten Savannenlandschaft des suedlichen Afrikas angekommen sind, konnten wir mal wieder so richtig durchatmen, den Weitblick geniessen oder so etwas banales wie einen Horizont mit Sonnauf- und Untergaengen sehen.
Ja und dabei kam auch das alte Sahara-Fieber durch, welches mich damals in jungen Jahren hinaus gezogen hat in die Weiten der grossen Nordafrikanischen Wueste: die Faszination der unendlichen Weiten und die damit verbundende unbeschreibliche Schoenheit der Wueste. Gerade in den letzten Jahren sind wir viel herum gekommen im Sub-Saharagebiet, haben eine Menge Schwarzafrikanischer Laender besucht und haben viele Voelker und Menschen kennengelernt, und nun moechten wir beide an dieser Stelle mal ein kleines Fazit ziehen: Wo wars am schoensten? Am schoensten war und ist es in der Sahara! Wir werden sie immer als etwas ganz Besonderes sehen.
Nun, was ist aber in den vergangenen zwei Wochen passiert? Es soll natuerlich auch diesmal nicht an einem Erlebnisbericht mangeln. Zuletzt haben wir aus Pointe Noire im Kongo berichtet. Unser dortiger Aufenhalt war von Anfang an als Puffer geplant gewesen und ist, bedingt durch das etwas muehsige Vorankommen, am Ende leider auf nur zwei Tage zusammen geschrumpft. Diese zwei Tage zusammen mit Christelle und Heiko waren aber auesserst erholsam und produktiv. So haben wir, neben Wasserski fahren, unter anderem einige kleinere Reparaturen durchgefuehrt und die Ausruestung in Ordnung gebracht. Unsere Weiterfahrt war fuer Montag den 1.Oktober vorgesehen, vorher waren da aber noch zwei mittelschwere Probleme zu loesen: 1. wir hatten im Kongo bisher keinen Eintrag im Carnet erhalten weil es von der Grenze bis PN einfach keinen Zoll gab und wir hatten ein Touristen-Visum aus Deutschland fuer Angola. Wir wollten es aber auf alle Faelle versuchen damit nach Cabinda, einer zwischen den beiden Kongos gelegenen Angolanischen Exclave, einzureisen, zumal uns das eine Menge schlechter Pisten und den beschwerlichen Weg durch die beiden Kongo Haupstaedte Brazzaville und Kinshasa ersparen wuerde. Fuer diesen Zweck hatten wir zwar vorgesorgt und haben mit viel Muehe, Tamtam und einer Einladung aus Angola, quasi am letzten Tag vor meiner Abreise die Angola Visa von der Botschaft in Berlin bekommen. An dieser Stelle sei auch nochmal meinen Arbeitskollegen Mario und Albrecht gedankt, die unsere Paesse in Berlin abgeholt und in letzter Minute nach Muenchen gebracht haben. Das war der erste Schritt fuer den Erfolg. Das Visum war zwar fuer 30 Tage Aufenthalt ausgestellt, jedoch hatten wir erheblichen Zweifel ob wir damit auch nach Cabinda einreisen duerften, zumal die Einladung ja aus Luanda, der Angolansichen Hauptstadt kam usw.
Manchmal kommt aber Mut und Glueck zusammen und der 1.Oktober war mal wieder so ein Tag. Frohen Mutes starteten wir am Morgen zum Zoll von Pointe Noire um dort unseren Eintrag ins Carnet nachholen zu lassen. Zwei Zollgebaeude konnnten mit unserem Anliegen nichts anfangen und rieten uns doch einfach zur Grenzstation Richtung Cabinda zu fahren um die Sache dort zu erledigen. Mist! Nun haben wir aber mittlerweile schon genug Erfahrung um zu ahnen, dass das Aerger geben wuerde, wenn man Ein- und Ausreisestempel gleichzeiteg an der gleichen Grenze moechte. Und wie wir so Richtung Grenze fahren schlagen wir unser Carnet auf und siehe da, da war ploetzlich doch ein Eintrag fuer den Kongo drin, zwar fehlte der Stempel aber sowas kann ja mal passieren in Afrika.
Im ueblichen Regen fuhren wir zur Grenze und die Ausreise verlief super. Ausreisestempel in den Pass und ins Carnet und fertig war die Angelegenheit. Um 10:25 standen wir mit weichen Knien vor dem Schlagbaum von Cabinda. Ab jetzt wars vorbei mit der beschaulichen Herrlichkeit des Franzoesischredens, hier und auch in Angola wird naemlich nur Portugisisch gesprochen und da geht bei uns gar nix. Man hat unsere Visa kritisch geprueft, alle Daten aufgeschrieben und uns nach unserer bisherigen und zukuenftigen Route befragt, Kopien vom Pass und Visum verlangt und ehe wir uns versahen hatten wir die Einreisestempel. Wir tauschten Geld auf dem Schwarzmarkt direkt vor der Polizei und bekamen beim Zoll ausserst freundlich und schnell unser Carnet gestempelt. Um 12:07 waren wir nach Cabinda eingereist, wer haette das fuer moeglich gehalten?
Auf recht guten Strassen gings 100 km weiter bis Cabinda Stadt, wo wir uns bei der Immigrations Polizei zu melden hatten. Dort wurde wieder alles registriert und wir durften weiter fahren. Da in Cabinda/Angola der Diesel sagenhafte 29 Cent pro Liter kostet wollten wir uns natuerlich noch kraeftig damit eindecken und so mussten wir uns in einer langen Schlange an der Tanke einreihen. Schliesslich war es zu spaet um weiter zu fahren und wir uebernachteten im Garten einer Katholischen Mission in Cabinda, wo alle Menschen ausgesprochen nett und freundlich zu uns waren. So richtig eingerichtet war allerdings niemand auf uns und so stellte die Toilettenfrage ein unueberwindliches Hinderniss dar. Am Abend und in der Nacht war das ja noch im Dunkeln zu vertuschen, aber am Morgen sind wir dann aus guten Gruenden ueberstruerzt um 7:15 losgefahren um ausserhalb der Stadt dringende Geschaefte zu erledigen.
Cabinda ist nicht gross und so standen wir um 9:50 bereits wieder an der suedlichen Grenzstation und erledigten ohne Probleme die Ausreise. Um 10:35 versperrte und dann der Schlagbaum von Belgisch-Kongo, aehem tschuldigung, von der Demokratischen Republik Kongo, oder ehemals Zaire, den Weg. Aber auch diese Einreise konnten wir meistern, tauschten auch hier vor den Polizisten Kongo-Francs und bekamen problemlos unser Carnet gestempelt und um sage und schreibe 11:30 waren wir schon auf freier Fahrt in Zaire. Auf brauchbaren Buschpisten gings nach Sueden bis an den Kongo-Fluss und dort entlang weiter nach Osten. In Boma kauften wir ein wenig Obst und Gemuese ein und wurden mal wieder korrekt aber langwierig von der Polizeisperre registriert. Am Abend hatten wir knapp 200 km Piste in Zaire zurueckgelegt und verschanzten uns im Unterholz fuer ein naechtliches Buschcamp. Am anderen Tag fuhren wir mal wieder im Regen zeitig los Richtung Matadi und ueberquerten dort auf einer impossanten Haengebruecke den Kongo-Fluss. An einer Felsenquelle schoepften wir zum ersten mal seit Verlassen Togos Wasser nach und von diesem herrlichen Kongowasser trinken wir noch heute.
Gleich hinter Matadi dann die naechste Grenze, die dritte in drei Tagen. Es lief einfach super! Wir waren gerade mal zwei halbe Tage in Zaire und hatten echt keinerlei Probleme, alle inklusive der Polizei waren richtig nett und erschienen irgendwie gebildeter als in den Laendern zuvor. Der kurze Eindruck den wir gewonnen hatten verbleibt als sehr positiv. Ausreise Zaire war kein Problem, der Regen hatte mittlerweile auch wieder aufgehoert und so standen wir bereits um 11:15 vor der Schranke zu unserem vorletzten Land, Angola. Jetzt stieg die Spannung bei uns nochmal aufs Hoechste. Erstens trug ein Zaire-Polizist unsere Paesse hoechstpersoenlich bis zum Schlagbaum von Angola und ueberreichte sie dort dem zustandigen Grenzpolizisten. Das waere ja nicht so schlimm, aber in diesem Pass befindet sich nun mal nicht das Angola Visum, sondern in meinem anderen mittlerweile vollen Pass. Der Kerl blaettert hin und her auf der Suche nach dem Visum, bis ich schliesslich schweren Herzens vor den Augen der Grenzer meinen zweiten Pass raushole. Eine Situation die ich zwar immer vermeiden wollte, aber was blieb mir anderes uebrig. Da wir aber einen Lauf hatten, verstand ich sowas wie: ach so Pass voll, sags doch gleich, kein Problem. Die Paesse wurden getauscht und es ging weiter zu den Einreiseformalitaeten. Und nun kam zweitens ins Spiel: unser Angola Visum. Der Beamte aeugte echt lange drauf und wir sassen wie auf Kohlen. Wie sich aber rausstellte war er extrem kurzsichtig und er hatte letztlich auch nichts zu beanstanden. Wir bekamen unseren zweiten Angola Einreisestempel in den Pass, liessen das Carnet stempeln, keine weiteren Fragen, nicht mal unsere tolle Einladung wollte jemand sehen und schon waren wir um 12:00 mittags ziemlich unkompliziert nach Angola eingereist.
Wir konnten unser Glueck und unseren Lauf kaum fassen. Wir waren auf dem direktesten Weg von Pointe Noire nach Angola eingereist, jetzt trat Plan A in Kraft: Strecke machen was das Zeug haelt. Angola ist ja nicht unbedingt das klassische Reiseland, ja ich weiss das kann man von den anderen auch nicht grad behaupten, aber Angola ist es noch am allerwenigsten. 27 Jahre Buergerkrieg haben ihre Spuren hinterlassen und erst seit 5 Jahren herrscht Frieden. Man spuert zwar eine allgegenwaertige Aufbruchstimmung und es wird kraeftig an den Strassen gebaut aber dennoch gibt es noch genug Chaos und leider auch die Mienen. Wir waren jedenfalls gewarnt und hatten jede Menge gute Vorsaetze zur Vorsicht.
Es hiess Abschied nehmen vom maechtigen Kongo-Fluss und auf schlechten Pisten kamen wir an diesem Nachmittag noch bis Tomboco. Dort kamen wir liebevoll in einer Katholischen Mission unter und wurden von den netten Patres richtig mit Bier, Caipi, Abendessen, Obst und Fruehstueck verwoehnt. Eine unglaubliche Gastfreundschaft bekamen wir dort zu spueren. Nebenbei haben wir auch eine Menge interessante Gespraeche mit ihnen gefuehrt und sie zeigten uns die unweit gelegene alte Mission der Portugiesen, in der sich die Milizen im Krieg einquartiert hatten und ringsum alles vermint haben. Die Mienen liegen dort heute noch. Das war zumindest eine gute Einfuehrung fuer unser Vorsichtsgeluebte.
Wir waren bester Dinge, erfreuten uns am schoenen Wetter, am blauen Himmel, an der Trockenheit, an der phantastischen Berglandschaft und dem zunehmenden Weitblick. Sollten wir endlich fuer die Strapazen belohnt werden und dem Regen entkommen sein? Wir konnten im Vorfeld keine Landkarte von Angola auftreiben und fuhren nach der 1:4 Mio Michelinkarte, eine recht grobe und ungefaehre Angelegenheit. Die Reisenden die wir kannten brauchten durch Angola 8 bis 10 Tage, wir waren auf das Schlimmste vorbereitet, wollten dies aber unbedingt unterschreiten. Wir muehten uns durch bis Nzeto, einem Fischerdorf am Atlantik und von dort weiter nach Sueden. Am zweiten Abend hatten wir nicht so viel Glueck und mussten auf Buschcamping ausweichen. Da war natuerlich hoechste Vorsicht geboten. Also fuhren wir eine Furt von der Hauptpiste ab, die befahren aussah und stellten uns 1 km spaeter gleich neben die Piste. In der Nacht fuhr dann auch ein Moped vorbei und am naechsten Tag ein wasserholender Radfahrer, aber alles kein Problem, in Angola sind echt alle supernett. Durch herrliche Baobablanschaft gings immer weiter nach Sueden und am dritten Tag erreichten wir bereits um 9:30 den Wahnsinn: Luanda. Scheinbar sollten wir fuer unser vieles Glueck der letzten Tage hier etwas buesen. Eigentlich wollten wir ja nur schnell durchfahren und man muss halt leider durchfahren um auf sicheren Strassen weiter zu kommen, aber. Nun, das Aber liegt im absoluten Chaos in dem Luanda versinkt. Unendliche Slumsiedlungen sind zu durchqueren mit unendlich viel Muell auf und neben den Strassen, der Gestank steigt zum Himmel und die Stadt ist eingehuellt in eine dichte Smogwolke, denn in Luanda gibt es im Gegensatz zum restlichen Angola, auch noch unendlich viele Autos. Und die stinken und qualmen und verstopfen die engen Strassen. Schritttempo waere uebertrieben gesagt, wir standen uns durch Angola. Um 11:00 ging auf unsere Hauptstrasse nix mehr voran und wir folgten einem Auto in eine Seitengasse und weiter durch ein unendliches Slumgewirre, bis wir schliesslich vor der Kirche Santo Antonio standen. Wir hatten keinen tauglichen Stadtplan, aber ne Kirche ist auf jeden Fall schon mal ein Lichtblick. Wir fragten und standen uns weiter durch, immer tiefer ins Chaos und wollten eigentlich nur kurz durchfahren.
Hinzu kam nun noch ein anderer ungluecklicher Umstand. Mich hatte gestern irgendwas in den Unterarm gestochen. Wir wissen nicht genau was es war, meinten aber es sei davon geflogen, also kein Skorpion oder Spinne oder Schlange oder sowas, sondern vermutlich eine dieser verdammten Tse-Tse-Fliegen. Dennoch ist mein Arm in der Nacht dick rot angeschwollen, juckt und brennt gleichzeitig wie verrueckt und ein roter Streifen laeuft hoch bis unter die Achseln. Das hat natuerlich schon ein wenig unsere Alarmglocken laeuten lassen. Ein roter Streifen, da dauerts sicher nimmer lang...
Bei Gelegenheit haetten wir ja eventuell eine Klinik in Luanda aufgesucht, aber hier herrscht ja nur Chaos. Ja zu Fuss haetten wir vielleicht eine gefunden, aber hinterher sicherlich nicht mehr den Toyi. Wir wollen nur noch durch, raus aus dieser furchtbaren Stadt. Es hat auch keinen Sinn den Partner unserer Einladung aufsuchen zu wollen, hier finden wir ja absolut gar nichts. Um 13:50 dann eine Erscheinung: Clinica Multiperfil Luanda. Wir parken Toyi auf geordnetem Parkplatz und melden uns in der Notfallaufnahme. Portugisisch ist mal wieder eine schwere Sprache aber man findet einen Einheimischen Arzt der Englisch spricht. Niemand weiss welches Biest mich da erwischt hat, aber ich muesse auf jeden Fall ne Cortisonspritze bekommen, fuenf Tage Antibiotika essen und noch ein paar andere Pillen schlucken. Wenns hilft dann los, also rein mit der Spritze in den Arm. Der rote Streifen sei nach Ansicht meines netten Arztes nicht von den Venen oder Arterien, sondern zeige den Verlauf des Giftes entlang der Lympfdruesen bis zu den Knoten unter der Achsel. Aaja dort ists ja auch geschwollen. Ums kurz zu machen, ich fuehlte mich gut behandelt, wir waren beruhigt, ich zaehlte meine Rechnung und wir waren nach 1,5 Stunden wieder draussen im Chaos. Uebrigens habe ich meine Behandlung durchgezogen und nach 3 Tagen wars schon fast vorbei mit dem Jucken und der Schwellung. Ich habs also mal wieder ueberlebt.
Nun wars 15:30 und das Chaos lichtete sich nach Sueden etwas. Nur einmal bekamen wir noch Probleme als unsere vermeintliche Ausfallstrasse ploetzlich vor einer Kaserne endete. Wir erhielten klaren  Befehl umzudrehen und so suchten wir uns halt weiter durch. Aufgrund meines Drogeneinflusses uebernahm Verena fuer die naechsten Tage das Steuer, und ich musste die undankbare Aufgabe des Fransens uebernehmen. Um 16:00 waren wir dann aber so gut wie draussen. 6,5 Stunden Luanda, ok davon 1,5 in der Klinik, aber dennoch, die Stadt hat uns einen dreiviertel Fahrtag gekostet. Sie ist das Schlimmste was ich je gesehen habe!
Verena donnert auf guter Strasse mit 105 km/h weiter nach Sueden und am Abend buschcampieren wir unweit der Hauptstrasse, versteckt hinter dichtem Buschwerk. Es gibt leckeren Wurstsalat und Avocadobrote.
Der naechste Tag beginnt zwar schlecht weil mal wieder mit Regen, aber die gute Strasse erlaubt wiederum rasches Vorankommen. Wir fuellen unsere Tanks nochmal mit dem billigen Diesel, das soll jetzt bis nach Windhoek reichen. So erreichen wir bereits am fruehen Nachmittag Lobito und wenig spaeter Benguela. Von dort gehts weiter auf relativ guter Piste hoch in die Berge und unsere Nachtlager ist mal wieder mitten im Busch, bereits auf 700 Meter Hoehe. Wir messen 80% Luftfeuchte und emfinden das, nach alldem was wir bisher erlebt haben, als total trocken. Am Morgen um 7:00 hat es 20 Grad Celsius und superblauen Himmel, da lacht das Reise-Herz und wir geniessen ein gemuetliches Fruehstueck und wir fahren erst um 9:00 los. Durch phantastische Berglandschaft geht es hoch auf 1800 Meter, der Himmel ist tiefblau und der Gedanke an Regen endlich mal weit weg. Die Piste befindet sich im Bau und immer wieder stossen wir auf Hinweisschilder mit der Aufschrift
„Area Ddesminada“, was wir als entmiente Gegend interpretieren. Gerade in dieser Bergregion hat der Krieg getobt und immer wieder sehen wir zerschossene Haueser, alte Panzer und kaputte Bruecken. Zum Glueck gibts jeweils gleich daneben schon eine neue und irgendwie scheints mal wieder super zu laufen. Wir donnern mit 50 – 60 km/h ueber die Piste, durch viele viele Doerfer und wie ueberall in Angola winken und jubeln uns alle zu. Das macht Spass, auch wenn die ewige Autofahrerei von frueh bis spaet nun doch schon ein wenig nervt und an unseren Nerven zehrt. Und so passierts dann schon auch mal, dass selbst wir uns wegen unwichtiger Kleinigkeiten in die Haare bekommen. An diesem, den fuenften Tag, erreichen wir nachmittags Lubango, versorgen uns dort nochmal mit Brot, Bier und Diesel. Verena hat schon seit Tagen Durchfall, ich verbiete ihr nun weiterhin die Kuechlis zu essen, die wir in Cabinda gekauft hatten (und von denen ich nicht ein einziges gegessen hatte um sie ihr nicht wegzufuttern) und die naechsten Tage wirds tatsaechlich endlich besser.
Den fuenften Abend verbringen wir abermals im Busch indem wir endlich nach Sonnenuntergang eine Moeglichkeit zur Einfahrt ins dichte Buschwerk finden. Fast unbemerkt hatten wir ab Lubango nochmals 150 km und an diesem Tag insgesamt 400 km auf Piste zurueckgelegt. Wir waren zufrieden und goennten uns ein leckeres Abendessen, wie immer ganz alleine im Busch, diesmal aber unter superklarem Sued-Sternenhimmel. In den letzten Tagen hatten wir die km und den Staub nur so gefressen und wir befanden uns heute abend ziemlich genau auf dem 16. Breitengrad, Sued wohlgemerkt. Die oestliche Laenge war uebrigens 14 Grad 10,32 Ost, falls jemand mal dort uebernachten will, wir fandens ganz romatisch in unserer kleinen Buschlichtung. Es sollte der letzte Abend in Angola werden.
Die Nacht war bitterkalt und wir waren nicht darauf vorbereitet. Wie immer schliefen wir zwar im Toyi aber die warmen Schlafsaecke waren ausserhalb vom Moskitonetz und so froren wir mit unseren duennen Laken. Am Morgen um 5:30 zeigte das Thermometer 6,0 Grad Celsius und eine Stunde spaeter trauten wir uns bei 12 Grad endlich aus dem Nest. Um 8:00 waren wir nach einem gemuetlichen Fruehstueck wieder unterwegs und heute wollten wir es wissen. Bis zur Grenze waren es noch 250 km und wir drueckten so richtig auf die Tube. Nicht weil uns Angola nicht gefallen haette, nein, nein im Gegenteil, tolle Landschaft und supernette Leute ueberall, aber wir hatten es halt nur als Durchreiseland im Programm. Wir spuerten die Chance noch heute nach Namibia einreisen zu koennen und die wiedergewonnene Zeit dort noch urlaubstechnisch investieren zu koennen. Fazit: Die Bevoelkerung Angolas ist total nett, die Landschaft ist grandios und fuer alle die es bisher nicht glauben
wollten, und dazu gehoerten auch wir: man kann in fuenf Tagen von Nord nach Sued durchfahren. Wir sind eines Mittags eingereist und sind gegen Mittag des sechsten Tages ausgereist. Dazwischen lagen 1800 km zum Teil auf ueblen Pisten und vor allem das Chaos von Luanda.
Bereits um 13:00 erreichten wir den Angolanischen Grenzort Santa Clara und kuemmerten uns um unsere Ausreise. Trotz der verwirrenden Gebaudefuehrung war alles nach einer dreiviertel Stunde erledigt und wir standen am Montag, den 8.10.2007 um 13:50 am Eisentor zu Namibia. Alles schien perfekt zu laufen. Nach meiner Erinnerung ist heute auch der erste Tag an dem unser neues Carnet, welches wir noch extra fuer die Suedafrikanische Zollunion, zu der Namibia nunmal gehoert, beantragen mussten. Ich hatte damals ein mir plausibel erscheinendes Anfangs-Gueltigkeitsdatum angegeben und meinte es sei der 8.10. gewesen. Nun kam aber der Hammer zum Vorschein als wir das Dokument tief unten rauskramten. Der 8.10. war schon richtig, aber eben gueltig bis 8.10.2008 und leider erst gueltig ab 9.10.2007. Da standen wir also mit unserem straffen Zeitplan, wir waren einen Tag zu frueh dran. Sch....egal, wir wollens trotzdem probieren, ist zwar Namibia und alles soll hier geordneter zugehen, aber ist ja dennoch Afrika. Wir gehen zur Immigration und lassen unsere Paesse stempeln, danach gehen wir zum Zoll, nicht ganz so cool wie wir nach aussen hin wirken. Der Beamte hinter der Glasscheibe nimmt den Wisch, fuellt ihn aus und gibt ihn uns zurueck. Na super, genauso hatten wir uns das vorgestellt, wir sind in Namibia!! Jetzt muessen wir noch eine Road Tax zahlen, diese soll 160 Namibia Dollar kosten. Zefix, wir haben vorhin in Santa Clara unsere restlichen Angola Kwanza in Namibia Dollar umgetauscht und das sind genau 150. Die Dame schaut uns mitleidig an und will uns gerade den Weg zur naechsten Bank erklaeren, als eine andere Dame hinter ihr meint sie wuerde uns mit den fehlenden 10 Dollar aushelfen, das ist immerhin ein ganzer Euro. Dieses Angebot nehmen wir gerne an, tja das ist doch mal ein netter erster Eindruck von einem Land!
In Namibia muessen wir die Uhr vorstellen und so ist die Bank dann schon geschlossen. Eine nette junge Frau fuehrt uns dann in Oshikango zu einem Supermarkt wo uns der Chef genug Geld fuer die naechsten Tage tauscht. Berauscht von dem Warenangebot des Supermarktes kaufen wir gleich Kaese, Brot und Bier ein, dann fahren wir weiter. Und jetzt herrscht allerhoechste Konzentration, die Strassen sind zwar super, aber in Namibia herrscht Linksverkehr! So ein Schmarrn.
Wir schmieden Plaene, also morgen ist Dienstag, Verenas Flug geht erst am Samstag, da waere doch noch Zeit fuer eine dicke Belohnung. Vor uns liegt Namibias Wildreservat Nummer 1: die Etosha Pfanne. Warum sollten wir uns das nicht gleich zum Auftakt goennen? So uebernachten wir vor dem noerdlichen Eingang zum Park und geniessen trotz der Kuehle den klaren Sternenhimmel. Am naechsten Morgen hats grad mal wieder 6,8 Grad, aber diesmal waren wir tief in den Schlafsaecken gesteckt. Wenig spaeter passieren wir das Nordtor zum Park und befinden uns staunend in einer einzigartigen Tierwelt. Als erstes laufen uns jede Menge Gazellen ueber den Weg, dann Zebras, Gnus und jede Menge Antilopen, Oryx und Kudu und noch einige andere Arten. Warzenschweine springen auch noch dazwischen und irgendwo huepfen Strausse und schliesslich dauerts gar nicht mehr lange bis wir unsere erste Giraffe erspaehen. Wir sind hellauf begeistert. Irgendwie so hatten wir uns das immer
vorgestellt. Mit unserem Giraffen-Toyi durch die Giraffenherden duesen, jetzt wars endlich soweit. Immer mehr Giraffen tauchen auf, Verena entdeckt Loewenspuren und ueberall liegt Elefantenmist rum, den kennen wir ja mittlerweile zu Genuege. Wir hangeln uns von Wasserloch zu Wasserloch und bestaunen die verschiedenen Tiere die es hier in grosser Anzahl gibt. Ja das ist halt schon ein Unterschied zu Nord- / West- oder Zentralafrika, dass dort fast alles ausgewildert ist. Aber wer kanns den Menschen dort verdenken.
An einem anderen Wasserloch gibts dann Elefanten und so vergessen wir irgendwie die Zeit. Da wir es heute nicht mehr aus dem Park schaffen, beschliessen wir im Halali Camp mitten im Park zu uebernachten, sichern uns dort am spaeten Nachmittag einen Stellplatz und fahren danach nochmal los. Uns fehlen noch Nashorn und Loewe, also nehmen wir den sogennanten Rhino Drive, dort muss es sie geben. Um 17:45 hatten wir dann unser ultimatives Elefantenerlebnis. Wir beide alleine mit Toyi auf dem Rhino Drive, weit und breit kein Tier zu sehen als ploetzlich links der Piste 5 Elefanten stehen. Wir halten sofort an und koennen uns kaum satt sehen an den irre grossen Tieren. Da steht er also der Savannenelefant, in voller Groesse unweit von uns. Ein Jungtier und die Mutter ueberqueren vor uns die Piste. Jetzt koennen wir nicht mehr losfahren weil sonst der Bulle ausflippt. Wir warten ein paar unendliche Minuten und ploetzlich kommt der Bulle auf uns zu. Verena unsere Chauffeurin will den Motor starten aber ich finde das keine gute Idee. Er baeumt sich vor uns auf, 10 Meter vor uns oder weniger, er schmeisst mir Sand in Richtung Toyi und bruellt uns an. Der war der Scheinangriff, der naechste ist dann echt. Er faengt an die Baume umzuhauen um zu zeigen was er mit uns vor hat. Jetzt geht uns ganz ehrlich so richtig die Duese. Verena startet den Motor und waehrend das Biest neben uns den Baum kurz und klein haut zischen wir in voller Drehzahl los und an ihm vorbei, weiter, weiter, bloss weg hier. Das war knapp, uns ist die Angst ins Gesicht geschrieben. Nun aber schnell nach Hause, um 10 vor 7 schliesst das Tor von Halali. Aber was ist dort an diesem Wasserloch? Meine Guete dort trinkt genuesslich in der Abendsonne ein Nashorn. Jetzt sind wir wieder restlos begeistert und machen noch ein paar schnelle Fotos von dem Urviech. Dann gehts grad noch rechtzeitig zurueck nach Halali. Verena springt als allererstes in den Pool, um sich den Angstschweiss abzuwaschen, wie sie sagt.
Nach einem leckeren Abendessen ziehen wir in der Dunkelheit nochmal zu Fuss los. Im Camp gibt es einen Fussweg bis zu einem Aussichtspunkt auf ein Wasserloch, welches in der Nacht beleuchtet ist. Zwischen Wasserloch und Aussichtspunkt befindet sich ein Zaun so dass man sich absolut sicher fuehlen kann. Dort angekommen trinken gerade zwei Elefanten, ein toller Anblick. Als die Fanten verschwinden treten zwei Nashoerner auf die Buehne und bleiben lange. Schliesslich werden sie von den Hyaenen abgeloest. Laenger halten wir leider nicht mehr durch und verkriechen uns schliesslich im Toyi.
Weil es uns gar so gut gefallen hat, wollen wir auch noch am naechsten Vormittag im Park bleiben und vor allem versuchen Loewen zu sehen. So cruisen wir nochmal 150km von Wasserloch zu Wasserloch, sehen alle moeglichen Tiere, vor allem auch viele von unseren geliebten Giraffen, aber am Ende doch keine Loewen. Macht aber auch nichts, man braucht ja noch Steigerungspotential. Die Nacht verbrachten wir geruhsam auf einer Farm an der Strasse Richtung Windhoek und am naechsten Tag, den 44. seit ich von Deutschland losgeflogen bin, erreichen wir das vorlaufige Ziel unserer Etappe, zunaechst Windhoek und anschliessend die Farm des Bruders unseres langjaehrigen Elisabethstrasse-Nachbarn Lallas. In Windhoek haben wir schnell noch Verenas Rueckflug, bereits von Deutschland aus gebucht hatten, fuer Samstag 13.10. rueckbestaetigt und mir einen von zwei freien Sitzplaetzen fuer die Maschine am 20.10. nach Muenchen gesichert.
Auf der Farm, 50 km ausserhalb Windhoeks, auf 1800 Meter Hoehe, werden wir bei Anke und Helmut herzlich aufgenommen und gut versorgt. Beide sind in Namibia geboren und ihre Grosselten sind Anfang des 20. Jahrhunderts nach Deutsch-Suedwest-Afrika ausgeandert. Zum Fruehstueck gabs uebrigens Antilopen Rauchfleisch und Zebra-Salami, ausgesprochen lecker sage ich euch.
Als erstes waschen wir den Toyi und ihr werdets nicht glauben was mitsamt dem Schlamm unten vom Toyi herausgespuelt wurde. Genau, eine lebendige kleine Schlange. Da lag sie nun und zuengelt uns genuesslich an und ich hatte vorher schoen alle Falze der Radkaesten mit den Fingern ausgeschabt. Laut Anke und Helmut handelt es sich aber um eine ungefaehrliche Eierschlange. Nix passiert jedenfalls, aber halt wieder mal ne Schlange.
Freitag waren wir damit beschaeftigt Ordnung ins Chaos zu bringen und Verenas Gepaeck zu packen. Am Abend haben uns Anke und Helmut mit auf einem Aussichtspunkt genommen, dort haben wir uns bei Bier und Gin-Tonic die grandiose Landschaft und den stimmungsvollen Sonnenuntergang angeschaut. Ein phantastischer Grillabend mit T-Bone-Steaks von der Oryx-Antilope schloss diesen tollen Tag und unseren vorlauefig letzten gemeinsamen Abend in Afrika ab. Am Samstag morgen sind wir dann um 6 Uhr aufgestanden und ich habe Verena zum Flughafen gefahren. Dann hiess es Abschied nehmen, zumindest fuer eine Woche. Wir dankten uns beide fuer diese tolle Zeit die wir miteinander erleben durften. Auf dem Toyi Dach stehend winkte ich dem LTU-Flieger hinterher, in 10 Stunden wird Verena in Muenchen landen.
Ich kuemmere mich derweil um Toyi und die Ausruestung, habe eine grosse Liste die abgearbeitet werden soll, so dass wir beim naechsten Mal wenn wir wieder hierher kommen, zuegig starten koennen. Ja der Toyi wird auf jeden Fall hier auf der Farm bleiben, diesmal geniesst er den Luxus von trockener Savannenluft und ausserdem bekommt er einen Platz in einer Lagerhalle. Fortsetzung der Reise ist also nicht ausgeschlossen. Ich werde am kommenden Samstag, nach 8 Wochen in Afrika, zurueck nach Muenchen fliegen.

Dazwischen sind wir in knapp 6 Wochen von Lome in Togo bis nach Windhoek in Namibia gefahren und das zur vielleicht unguenstigsten Jahreszeit, in der es viel zu viel Regen gibt, aber das haben wir ja gewusst. Und dennoch moechte ich fast kein Erlebnis missen und finde gerade die Farben der Regenzeit unglaublich reizvoll. Schon seit Tagen vermisse ich ploetzlich unsere kuschligen Nachtlager, kauernd unter unserem Regendach sitzend und wohlwissend, dass wir im Toyi absolut trocken schlafen werden. Das hat irgendwie ein schoenes geborgenes Gefuehl gegeben. Wir haben die ganze Reise lang niemals oben auf unserem Toyi Dach geschlafen, sondern immer im Auto. Das war auf allen anderen Reisen voellig unvorstellbar, aber diesmal wars entweder zu nass, zu gefaehrlich und spaeter zu kalt. Wir haben leider auch keinerlei andere Reisegefaehrten getroffen mit denen wir uns haetten austauschen, oder streckenweise zusammenfahren koennen oder manchmal einfach etwas Leid
teilen. Es war kein Urlaub in dem Sinne, sondern eine Expedition unter schwierigen Umstaenden. Auch wenns oft muehsig bis aussichtslos war und wir uns sicher waren, dass wir den groessten Schmarrn auf Erden angezettelt hatten, waren wir immer entschlossen es bis zum Erreichen des gesteckten Ziels durchzuziehen und jetzt wo es fast vorbei ist, erinnern wir uns nur noch an eines: Es war einfach wunderbar und bleibt fuer immer einzigartig.

Sonnige Gruesse aus Namibia,

Gerd und Verena

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