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2007: Pointe Noire - Kongo
30.09.2007 17:14

Liebe Freunde des abenteuerlichen Reisens,

lange hat man nichts von uns gehoert, aber es gibt uns tatsaechlich noch. Wir sind in Pointe Noire im Kongo
und uns geht’s prima. Aber alles der Reihe nach.

Togo ist so weit weg dass ich mich schon fast nicht mehr daran erinnern kann. Ich kam jedenfalls gut dort an und habe den Toyi in guter Verfassung vor gefunden. Wie immer war er bei Alice bestens aufgehoben.  So habe ich mich in die Vorbereitungen gestuerzt und ihn zum Laufen gebracht auch wenn ich letztlich schrittweise alle Batterien ersetzen musste. Am Samstag nach meiner Ankunft kam dann endlich Verena in Lome an und wir
konnten mit vereinten Kraeften weiter machen.

Unsere Abfahrt verzoegerte sich zunaechst ein wenig, teils weil wir einfach nicht loskamen und das weil es bei der guten Alice immer so schoen ist und weil das Wetter nicht gerade optimal war. Es hat jeden Tag geregnet, nicht gerade die besten Voraussetzungen fuer unser Vorhaben.

Am Mittwoch den 5.September fuhren mittags wir bei stroemenden Regen in Lome los und erreichten bis zum
Abend Cotonou, die Hauptstadt von Benin. Auch die naechsten Tage begleitete uns der Regen. So fuhren wir in Benin nach Norden und reisten ueber Nikki nach Nigeria ein, ein erste harte Nuss die geknackt werden musste. Aber ums vorweg zu nehmen. Nigeria hat uns keine echten Probleme bereitet, sondern hat uns im Gegenteil richtig gut gefallen. Die Bevoelkerung ist richtig nett, hoeflich, immer hilfbereit und eigentlich nie aufdringlich. Wir wollten anfangs nur schnell durch, sind letztendlich auch nur 6 Tage geblieben, aber verspuerten grosse Lust dort mehr zu entdecken. Am Samstag Nacht erreichten wir nach einer abenteurlichen anstrengenden und eigentlich unverantwortlichen Nachtfahrt Abuja, die kuenstliche Hauptstadt Nigerias. Aber es ist uns nichts passiert und es ging alles gut und einige von euch werden bald die ganze Geschichte dazu erzaehlt bekommen. Mittlerweile hatten wir unsere Route gaendert und wollten nicht mehr ueber den Norden Nigerias nach Kamerun fahren weil wir befuerchteten dass die Pisten in Kamerun vom ausserten Norden bis in den Sueden sehr schwierig sein wuerden. So bewegten wir uns hinter Abuja nach Sueden um bei beruehmt beruechtigte Ekok-Mamfe Piste nach Kamerun zu fahren. Wir entschieden uns trotz aller Warnungen fuer diese Strecke weil sie einfach die kuerzeste war und irgendwie muessen wir da halt durch kommen. Auf dem Weg dahin besuchten wir
dann noch in Nigeria die Afi Mountain Drill Ranch, einen Nationalpark mit Schimpansen und eben Drill-Affen. Wir spazierten ueber Haengebruecken hoch in den Urwaldriesen und machen eine ausfuehrliche Regenwaldwanderung, ohne dabei Gorillas zu Gesicht zu bekommen, aber es war dennoch phantastich und einmalig beeindruckend.  Am Ende unseres Nigeria Aufenthalts uebernachteten wir noch direkt an der Grenzstation, in einem kleinen Dorf mitten am Strassenrand und es war super. Tja und das alles in Nigeria, dem Land wo wir eigenlich nur
schnell durch fahren wollten. Aber ich sags hier nochmal, uns hats dort super gefallen.

Dann kam Kamerun mit all seinen Leiden und Tuecken. Die Ekok-Mamfe Piste entpuppte sich als echte Katastrophe, zumindest um diese Jahreszeit, also zur Regenzeit. Wir hatten zwar zunaechst Glueck dass es tatsaechlich seit 2 Tagen nicht geregnet hatte, aber bereits am ersten Tag auf der Piste fings am
Nachmittag an wie aus Eimern zu giessen und die Piste wurde zu Schmierseife. Das eigenlich schlimme waren aber die riesigen Schlammloecher, die sich sich alle paar km wiederholten. Schlammloecher so gross wie ein Haus und so tief wie eine Tiefgarage, voll mit Wasser und Schlamm. Und da musste der Toyi durch, irgendwie.
Das alles war schon schlimm genug, doch zu allem kam dann noch das groesste Uebel, naemlich jugendliche Gangs die sich um die groessten Schlammloecher versammeln und die uebelsten Stellen dann auch noch
Baumstaemmen blockieren und dich nur gegen erhebliche Geldforderungen durch lassen. Moderne Strassenraeuberei sozusagen, richtig ekelhaft und fuer uns auesserst nervenaufreibend und stressig. Im groessten Uebel, total verdreckt und verschlamme, dann auch noch mit Halbstarken ueber total ueberwucherte Wegezoelle verhandeln zu muessen. Das war die eigenliche Hoelle an der Strecke! Am ersten Tag haben wir die Haelfte von den 70 km geschafft und waren am Abend total fertig als wir unser Lager freundlicherweise in einem kleinen Dorf an der Scheisspiste aufschlagen durften, im Regen versteht sich.
Am naechsten Tag gings genauso weiter. Ich zieh als Fahrer alle Register die der Toyi bietet, Sperren, Untersetzung, extreme Schraglagen, extrem enge Passagen und Verena die durch jedes Loch waten musste um die Tiefe und die besten Passagen zu erkunden und schliesslich auch noch den Toyi durchschieben musste. Der
unvollstellbare Wahnsinn einfach! Aber wir haben es geschafft und erreichten am 2. Tag Mamfe, die vermeintliche Rettung. Unser geliebter Toyi hat aber seither eine neue Form, alle Seiten sind komplett eingedellt, da haben wir schon ein paar Traenen weinen muessen. Aber egal, wir kamen durch und er fuhr noch und wir waren ok, was will man mehr? Wir wollten jedenfalls nur noch irgendwie raus aus Mamfe aber das war die naechste Ueberraschung. Ok nach Bamenda und zur wunderschoenen Ringroad durch Kameruns Berge wollten wir eh schon lange nicht mehr, weil die Pisten dahin als unpassierbar galten, aber wir wollten sicher aus Mamfe raus, ohne den Toyi gar voellig zu ruinieren, ohne hoffentlich nochmal so eine Schlammschlacht schlagen zu muessen. Da hatten wir endlich auch mal Glueck und haben einen deutschen Entwicklungshelfer getroffen, der uns die entscheidenden Tipps gegeben hat und so fanden wir am naechsten Tag, nach einem netten Abend mit einigen Bieren, nun mit neuem Mut und Energie einen Weg hinab in den Sueden, direkt auf den 4095m hohen Mount Kamerun zu.

Auch dort mussten wir unsere Plaene aufgeben diesen Berg zu besteigen, weil der taegliche Regen alles zu
nichte machte. Am Fusse des Berges regnet es naemlich 11000mm jaehrlich und das der weltweit zweithoechste Wert. Als wir dort waren hat es jedenfalls nur geregnet und wir haben den Gipfel des Berges eigenlich nie gesehen weil er immer in dichte Wolken gehuellt war. Auch das Baden im Meer bei Limbe machte bei Regen nicht wirklich Spass.

Von Limbe gings ueber Douala nach Yaounde, der Hauptstadt Kameruns. Dort erwartete uns ein Visamarathon. Wir beantragten Visa fuer Kongo, der Demokratischen Rep. Kongo (ex Zaire) und unserem nachsten Ziel Gabon. Nach 3 Tagen hatten wir die 3 Visa in den Paessen und los gings mit grosser Hoffnung auf besseres Wetter nach Sueden. In Kamerun waren wir 9 Tage und hatten ausser Regen nur Probleme. Probleme mit den Leuten, mit
der Polizei, mit der ueberall gegenwaertigen Korruption, vor allem mit dem ersten Eindruck den wir vom Land gewonnen hatten und der schlecht war. Fazit: Kamerun, nein Danke, so schnell nicht wieder!

Dann waren wir in Gabun, Einreise unproblematisch wie eigentlich alle Grenzuebergange vorher auch. Wir
naeherten uns dem Aequator und ueberquerten diesen beide zum ersten mal in unserem Leben ueberhaupt und das im eigenen Auto. Das GPS sagte uns genau wanns so weit war, wir beide voellig alleine im Urwald und nichts deutete sonst darauf hin. Lustig ums Auto laufend machten wir eine Fotosession mit Selbstausloeser und tauften die Aktion am Abend mit einer warmen Flasche Sekt, es war der 21.9., also Herbstanfang und am Mittag stand die Sonne senkrecht. Wir hatten uns eine tolle Piste ausgesucht, klein schnucklig durch den Urwald Gabuns. 74% von Gabon ist immer noch echter Regenwald und wir cruisten irgendwie mittendurch. Uebernachteten merhmal alleine irgendwo im dichten Urwald und fuehlten uns praechtig. Klaro gabs jede Menge Stoerenfriede, tagsueber winzig kleine Fliegen die einem das Leben zur Hoelle machten und die Haut zum Streuselkuchen verwandeln und nachts die Moskitos, unendlich vielen, Bueffel und Antilopen und dann gings wieder durch dichten Wald weiter Richtung Sueden.

In Lambarene besuchten wir das Albert Schweitzer Hospital und waren total beeindruckt vom Leben und Werk
dieses grossartigen Menschen. Dann entschieden wir uns raus an die Kueste zu fahren und erreichten am 26. Sept Mayumba. Von dort gibt’s nur eine einzige Moeglichkeit um in den Kongo zu kommen. Und dabei hatten wir uns wohl ein wenig verschaetzt. Auf der Karte sah es aus als koennte man gemuetlich am Strand entlang usw. aber in der Praxis war es eine 2 taegige Urwalddurchquerung mit allen Klassikern. Wir befanden uns auf einer voellig unbefahrenen Urwaldpiste, gerademal so breit wie ein Bierkasten und da mussten wir ueber die naechsten 100
km den Toyi und vor allem auch uns durchquaelen. In boeser Vorahnung kauften wir Macheten und arbeiteten uns mit diesen Stueck vor Stueck voran. Die gruene Hoelle, diesmal war es nicht der Schlamm oder die Raueber, sondern der dichte alles ueberuwuchernde Dschungel. Alle paar 100m hatten die Elefanten Baeume umgeschmissen die wir wegraeumen mussten. Dies ging meisten gut, dauerte aber lange und war vor allem kraefteraubend. Ein grosses Schlammloch, voll mit Elefantenscheisse konnten wir meistens indem wir uns eine Furt aus Holz gebaut haben. Eine morsche Bruecke war aber dann unser vorlauefiges Ende weil wir von den Planken abgerutscht sind, der Toyi unten aufsass und die Raeder in der Luft hingen. Meine Guete, das sah
echt aussichtslos aus. Jetzt hiess es Nerven behalten und ran an die Arbeit. 3 Stunden harte Arbeit spaeter hatten wir es mit unseren 2 Wagenhebern und allen verfuegbaren Baumresten geschafft den Toyi
rueckwaerts raus zu bekommen. Jetzt mussten wir nur noch schnell einen neue Bruecke bauen bevor es weiter gehen konnte. Das was war um 18:30 geschafft und unter lautem Jubel und mit Freudentraenen in den
Augen fuhren wir ueber UNSERE Bruecke. Der naechste Feind war die Dunkelheit, uns drohte eine weitere Nacht um Urwald, diesmal so dicht dass wir schon seit langem keinen Himmel mehr gesehen haben. Ja und
geregnet hats natuerlich auch so wie jeden Tag zuvor sowieso. Der Regen ist genaugenommen unsere groesste Plage....  Zunaechst versuchten die die Dunkelheit zu ignorieren und fuhren und holzten uns mit Fernlicht weiter durch den Wald, immer laute hupend um die Elefanten zu verscheuchen. Unbeschreiblich wie man sich dabei fuehlt.
Nach weitern 2 Stunden waren wir fertig, total fertig und tropfnasss. Anhalten, Bett mit Moskitonetz in den Toyi bauen, Sorgen aussschalten, Ehefrau beruhigen, weil sie voellig durch den Wind war weil sie am heutigen Tag ne schwarze Mamba und einen Leoparden vor dem Toyi gesehen hatte, auch ja und schwarze Skoprpione bei
Brueckenbauen.  Wir versuchen zu schlafen. Die Nacht war ruhig und am naechsten Tag kaempften wir ab 7 Uhr weiter. Millionen von Bremsen machten uns den ohnehin schrecklichen Kampf zum absoluten Krampf.
Aber irgendwie haben wir es wieder mal geschafft und verliessen auf gruenen Grenzen am 26.9. Gabon, nach 9 wunderschoenen Tagen in einem tollen Land. Die Ausreiseformalitaeten hatten wir schon ein paar Tage
zuvor in Mayumba erledigt und so reisten wir voellig unbemerkt in den Kongo ein. Nach zig km bekamen wir dann auch den offiziellen Einreisestempel in den Pass und waren also amtlich im Kongo. Durch wilde Kongo Urwaldpisten kaempften wir uns bis Pointe Noire durch und kamen gestern Nachmittag um 14 Uhr am Yacht Club an. Und jetzt kommt der Hammer, der totale Wahnsinns-Zufall: zur gleichen Zeit stoppt dort ein Taxi und die einzigen 2 Menschen, die wir in Pointe Noire kennen steigen aus! Christelle und Heiko, die wir von unserem Togo
Aufenthalt 2006 kennen und die wir ohnehin hier besuchen wollten. Das war ne freudige Ueberraschung! Und eine 1 Stunde spaeter waren wir mit den beiden auf einem Motorboot und rasten durch die Bucht von Pointe Noire und Verena tobte gar wie die anderen auf Wasserskiern bzw einem Board dem Boot hinterher. Unglaublich und unbegreiflich!

Gut, nun sind wir also hier im Kongo, haben viel erlebt und haben noch einiges vor uns. Es war um einiges
haerter als wir dachten, vor allem wegen dem (Un-)Wetter, der unbarmherzigen Natur und wegen den Menschen. Jetzt kommt der Endspurt. Am Montag werden wir Richtung Cabinda duesen und hoffen dass sie uns rein lassen, weil wir sonst ein echtes Zeitproblem bekommen, indem wir einen Riesenumweg ueber Brazzaville und Kinshasa fahren muessten. Hoffen wir das beste! Also Cabinda, dann Zaire und weiter nach Angola und wenn das alles klappt erreichen wir hoffentlich Mitte Oktober unser Ziel Windhoek in Namibia.

Danke an Christelle und Heiko, dass sie uns die Moeglichkeit gegeben haben ihr schnelles Internet zu nutzen
und die Geduld aufgebracht haben meine lange Schreiberei abzuwarten bis wir endlich das naechste Ngok (Kongo Bier) trinken koennen....

Liebe Gruesse aus dem Kongo,

Eure Tarzan und Jane, alias Gerd und Verena

2007: Windhoek - Namibia

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