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2001: Tamanrasset - Algerien
23.09.2001 20:16

Tamanrasset, Algerien , 23-09-2001

Liebe Freunde,

hier bin ich also, in Tamanrasset in Sued-Algerien und ich bin wohl auf, es
geht mir sogar ausgesprochen gut. Nach etwas mehr als 4 Wochen in der
schoenen algerischen Sahara sind wir nun auf den Sprung weiter in den
Sueden zu fahren, weiter nach Agadez im Niger und noch weiter nach Burkina
Faso und Mali, inschallah.
Wir hatten bis hierher eine phantastische Reise mit nur wenigen Problemchen
und haben uns ganz viel Zeit genommen die Wueste richtig verinnerlichen zu
koennen. Das ist uns besonders in den letzten Tagen besonders gelungen seit
wir von Djanet aufgebrochen sind und ins traumhafte Hoggar-Gebirge gefahren
sind. Diese bizarren Felsen in knapp 3000 Meter Hoehe sind unbeschreiblich
schoen und die Stimmung beim gestrigen Sonnenaufgang auf dem
Assekrem-Gipfel, 2760 Meter hoch, ueberhaupt nicht in Worte zu fassen. Dort
oben in den Bergen herrscht eine eigene Welt, eine eigene Wueste, kein
Sand, nur bizarre Basaltkloetze und der Himmel scheint ganz nah. Vielleicht
ein Grund warum dort oben der franzoesischer Patre Alain seit 19 Jahren
wohnt und nicht mehr weg will. In aller Bescheidenheit hat er uns Tee
angeboten und wir haben in seiner Steinhuette in eisiger Kaelte die
staendigen Farb- und Stimmungswechsel des Morgenlichts genossen.
Zwei Tage vorher sind wir bei Blitz, Donner und Regen in 1800 Meter Hoehe
in das Gebirge vom Norden, Hirafok, eingedrungen und wir hatten ernstlich
Zweifel ob wir weiter fahren koennen. Bei Regen haben wir dann in einem
Guelta gebadet worauf wir uns so gefreut hatten. Danach hatte ich zum
ersten mal seit Verlassen von Deutschland einen Pulli tragen muessen. Das
hat sich schliesslich gesteigert bis ich am Gipfel 2 Hosen, 1 T-Shirt, 2
Pullies und eine Jacke anhatte, und das in der Zentral-Sahara! Also diese
Wasserloecher sind in dieser Hoehe keine Seltenheit, liegen einfach
eingebettet in den Basalschluchten und das Wasser sammelt sich in
natuerlichen Becken, herrliche Schwimmbaeder. Der Regen hatt uns vor dem
Weiterfahren gehindert und wir verbrachten eine Nacht dort. Am naechsten
Tag superblauer Himmel wie ihn nur die Wueste herbeizaubern kann: also
baden im superkuehlen Wasser und aufwaermen auf den schwarzen Basalten und
wieder ins Wasser und so weiter, Badetag eben, mitten in der Wueste.
Hier in Tamanrasset ist es erstmal vorbei mit dem Frieren, obwohl die Stadt
noch auf 1450 m liegt ist es doch wieder etwas warm.
Warm, nein fast unertraeglich heiss hatten wir es zuvor, mit tags um die 50
Grad im Schatten und Nachts nie unter 30 Grad, einmal sogar 38 Grad die
ganze Nacht lang.
Das waren die ersten zwei Wochen in der Wueste, sie verlangten ne Menge
Energie und Mut von uns und wir hatten einige Male unsere Grenzen gespuert.
Doch alles der Reihe nach. Nach ein paar
erholsamen Tagen in Tunesien am Strand gings durch den Karl May beruehmten
Salzsee Chott El Jerid hinueber nach Algerien und direkt hinein in die
Sahara. Wir fanden keine Reisepartner
und so versuchten wir unser Vorhaben den grossen oestlichen Erg, ein
riessiges Duenengebiet fast so gross wie Bayern, zu durchqueren alleine
durchzuziehen.
Das war ein harter Kampf, Duene rauf, Duene runter, schraeg, schief, keine
Spuren, zu heiss fuer Mensch und Toyota und so war nach 4 Tagen klqr dass
wir das nicht
schaffen koennen, zumindest nicht zu dieser Jahreszeit. Als wir aufgaben
und einen anderen Weg hinaus aus den nicht endenden Duenen suchten
passierte
dann ein Malheur und der schraeg an der Duene abgewuergte Toyo wollte nicht
mehr anspringen. Es begann eine lange Geschichte ueber die ich heute
schon wieder ganz anders denken kann. Eine unserer beiden Batterien vom 24
Volt-System war leer. Warum? Zunaechst keine Ahnung, es musste was
geschehen.
Ein Sturm tobte und so kam mal wieder alles zusammen. Wir luden das Auto
aus und schafften es schliesslich den Wagen in ein Senke zu ziehen wo er
gerade stand
und nicht umkippen konnte waehrend der Wind den Sand unter den Reifen
wegblaest. Es folgte eine bange Nacht mit vielen Ideen was man tun koennte.
Aus einer Nacht wurden 4 Naechte und endlos lange heisse Tage mit Warten.
Warten dass vielleicht mal ein anderer Verrueckter in diesen hohen Duenen
rumfaehrt
und warten das die Batterie Strom abbekommt. Jawohl wir hatten die Idee mit
unserem 1,5 Volt Mignon Batterie Vorrat troepfchenweise die Amperes
in die Autobatterie zu transferieren. Dazu verschalteten wir diese immer so
das eine hoehere Spannung von diesem Laadegeraet an der Batt anliegt.
Endlose Diskussionen liessen die brenzlige Situation ertraeglich werden:
Reihenschaltung, Parallelschaltung, noch nie war es so klar wie in diesen
Tagen.
Warten endloses Warten, nur Flugzeuge am Himmel und nachts ein toller
Sternenhimmel. Die ersten Versuche scheiterten und waren nicht sicher ob
dqs ueberhaupt
klappen kann. Dann kam ne Sandviper und jagte uns einen Schreck ein. Eines
Tages kam ne Kamelkarawane und wir gaben ihnen einen Brief mit wo wir um
Hilfe bitten.
Wer weiss wann die wo ankommen. Am naechsten Abend dann der grosse
Augenblick, Mignons ziemlich leer, Autobatterie etwas voller, der Motor
springt an!!!!
Mei war das ein Ding. Nun muessen wir jedem Beduerftigen Almosen geben weil
wir das Allah versprochen hatten falls wir da jemals wieder
rauskommen. Spaeter fanden wir dann den Grund, der Zusatzkuehlerventilator
war durchgebrannt und hatte die Batterie leergesaugt. Raus mit dem Ding,
mit der Folge dass der Motor immer zu heiss wurde. Egal wir waren gerettet.
Mit zwei Oesterreichern kaempften wir uns dann durch die Duenen beim
Kranfoussa und alleine weiter die Graeberpiste hinueber zum Erg Amguid.
Von dort hinab nach Djanet, wo wir vor einer Woche zum ersten mal von den
schlimmen Sachen hoerten die in der Welt passieren.
Also wie gesagt ich bin wohlauf und Verena, die alles so tapfer
ueberstanden hat, ebenso. Wir hatten eine tolle Reise und viele wunderbare
Erlebnisse die ich gerne mal erzaehlen werde.
Auch unserem treuen Toyota gehts noch gut nach 4000 km mit meist ueblster
Piste. Er ist mir schon ein bissi ans Herz gewachsen in den letzten Wochen
und
es wird gar nicht so leicht werden wenn er am Ende der Reise verkauft wird,
wo immer das auch sein wird.

Liebe Gruesse aus der Tiefe der Sahara,

Euer Gerd

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